Gipfeltreffen der Blues-Harp Spieler
beim Winter Blues Festival No. 3
So viel Blues gab es im Schaufenster Fischereihafen noch nie. Denn mit zehn Bands auf fünf Bühnen wächst das Winter Blues Festival auf Rekordgröße. Aber nicht nur die Masse stimmt. Auch Klasse und Qualität der teilnehmenden Bands sind in Ordnung. Dafür sorgt Mitorganisator Uwe Rademacher von der Band HELMETS HELMETS mit seinen exzellenten Kontakten in die Blues-Szene. Das Sonntagsjournal präsentiert die teilnehmenden Bands.
Schon früh am Abend geht es im Café Brüser los. Ab 19.00 Uhr sind die Jungs von Cool Jack dort auf der Bühne. Ein besonderer Auftritt für die Schüler des CvO, denn die Schulzeit geht zu Ende und damit wohl (leider) auch dieses Schulbandprojekt. Schon bei den Festivals 2009 und 2010 war die Band dabei. „Die werden von Jahr zu Jahr immer besser. Diese gute Entwicklung sollten möglichst viele Musikfans miterleben “, begründet Karlheinz Michen, Veranstaltungsleiter im Schaufenster Fischereihafen die erneute Einladung. „Vielleicht machen wir damit anderen Jugendlichen Mut für eigene Bandgründungen“. Zur aktuelle Besetzung:gehören Andreas Bechtold (Bass), Colja Cordes ( Keys), Oliver Gruhlke (dr.) und Henning Siedenbiedel (e-git), sowie Ole Weyerts (acustic-git). Als Gast spielt Ingo Beck an den Keyboards.
Und schon um halb acht geht es auf der nächsten Bühne weiter. Als neues Lokal ist „Der Kutterfischer“ dazugekommen. Beide Bands spielen erstmals beim Festival. Den Anfang machen der Ralf Götz (Git,/ Voc.) und Frank Thien (Harp), die als Duo Playing For Tips schon seit mehr als acht Jahren unterwegs sind. Der Name beschreibt eine, in den USA gängige Methode, sich als Mucker mühsam über Wasser zu halten. Deshalb spielen sie überall wo es Spaß macht, in Kneipen, aber auch auf der Straße oder Blues-Festivals. Und dabei komme sie auch ganz schön herum. Beim Orkney Bluesfest waren sie 2008 zu hören. Auch zur Blues`n Jazz Ralley in Luxem-burg, dem Bluesfest Gaildorf und zum Bluesfest Eutin kamen schon Einladungen.
Gegen 21.45 übernehmen die Delta Crabs aus Bremen das Kommando. Hier kommt der Sound der 20er Jahre, live und unplugged gespielt. Manfred Dirks singt und spielt Kontrabass. Und das sehr speziell: Mal umarmt er seinen „Sperrholzbaum“, streichelt die Töne fast heraus, dann wieder besteigt er sein Instrument, zupft hart und treibend oder trommelt auf dem Instrument. Duelliert sich mit Drummer Thomas Schwenen, der aber auch dem Cavaquinho ein Könner ist. Der „dritte Mann“ ist Jörg Zittlau und spielt Gitarre und Banjo, Blues-Harp und National-Guitar – und singen kann er auch.
Eigentlich sollte man sich von diesem Trio keinen Ton entgehen lassen. Aber es gibt noch mehr Spitzenmusik.
Zum Beispiel im Restaurant Reinhard’s. Dort spielt ab 22.30 Uhr mit der Buntentor Jam Gang eine weitere Bremer Band, die ebenfalls zu den Neuvorstellungen des Abends gehört. Das Quartett wird durch die Brüder Justus (git) und Hansi (harp) Jonas geprägt. Beide sind auch als Sänger aktiv. Musikalisch geht es in die 40er bis 60er Jahre. Chicago Blues und traditionellen Bluessongs werden kunstvoll gemischt mit swingenden Jump & Jive- Titeln – dazu auch mal eigene Kompositionen.
Schon vorher sorgen Helmas Helmits für Stimmung mit ihrem tanzbaren Blues. Hier spielt Mitorganisator Uwe Rademacher. Er hatte auch die Idee, für diesen Abend besonders viele und gute Harpspieler mit Ihren Bands einzuladen. Verständlich, spielt er doch selbst begeistert dieses Instrument.
Die Rhythmusabteilung ist mit Kai Lidecke (dr), Manfred Borchert (bs) und Peter Weber (key) gut besetzt und harmoniert prächtig. Dazu kommen die beiden Gitarristen Helmut Stehr und Gerd Schmialek. Boss auf der Bühne ist die Sängerin Hanne Turowski, die bei Bedarf auch am Keybord, Schlagzeug oder der Gitarre aushelfen kann. Nur Uwe kann sie nicht vertreten. Blues-Harp kann man zwar ohne Noten-kenntnis spielen, doch braucht man gutes Feeling und Spaß daran, sein Instrument durch feilen und schleifen perfekt für den eigene Bedarf zu tunen.
In der TAKELAGE startet die Ramblin’ Blues Band den Abend um punkt acht. Seit 25 Jahren ist die Band in Sachen Blues unterwegs. Gitarristen Hanno Bonßdorf, Micky Schmidt (bs) und Jürgen Thomas an den Drums sorgen mit Sänger Rolf-Martin Schmidt für fesselnde Atmosphäre. Dabei spannen die vier den musikalischen Bogen von den Klassikern des Rhythm’n’ Blues über Louisiana Cajun bis Stücken von Eric Clapton, Cream und Fleetwood Mac der Peter Green Phase.
Bei einem „Gipfeltreffen der Harpspieler“ darf Frank Rihm auf keinen Fall fehlen. Musikalisch orientiert er sich am „elektrischen“ Chicaco-Stil. Zwar hat Ray Charles einmal gesagt:"No white can sing the blues"., doch inzwischen gibt jede Menge Gegenbeispiele. THE RIHM SHOTS gehören schon lange dazu. Sie spielen den Blues laut und krachend, mit viel Lust an ausgedehnten Harp-Attacken und einem feinen Groove. Neben Rihm steht auch noch Gitarrist Paddy Korn im Vordergrund. Basser Wolfgang Fechner und Drummer Klaus Schnirring sind als Rhythmus-Team dabei.
Die fünfte Bühne steht im Fischrestaurant Siedler. Hier werden sich zunächst die Fans von Peter Noé , dem charismatischen Frontmann von Cold Shot versammeln. Und er wird sicher wieder in seinem typischen Outfit erscheinen -schwarzer Leder-mantel, großer Hut, lange Haaren und spitzen Cowboystiefel. Und so unver-wechselbar wie sein Outfit, ist auch seine kraftvolle Stimme. „On Stage“ sind Terence Whelan (bs) und Frank Bader (git), sowie Lutz Wöhlken als treibende Kraft am Schlagzeug mit dabei.
Mit plattdeutschen Texten geht die Waterkant Blues Band einen ganz eigenen Weg. Und das macht sie gut. Das neue Album trägt den Titel „ Hein Seemann un de plattdütsche Blues “
Musikalisch bringt Bandleader Martin Wohlers zusammen mit der Bassistin Dodi Nolte, Helmut Heilmann (dr.) und THE STEVE ( git.) „plattdeutscher Blues, eine frische Brise Jazz und rockige Sturmböen aus Nordwest“ auf Bühne. Einiges erinnert dabei an Achim Reichel, bevor der zum Schlager-Rocker wurde. Doch der Unter-haltungswert ist hoch. Der erste Ton der norddeutschen Variante der Südstaaten-Musik soll um 23.00 Uhr erklingen.
Headliner des Festivals ist Dieter Kropp. Ein anerkannter Könner auf der Blues-Harp. Mehrfacher Preisträger, Dozent und Radio-Moderator. Mit seiner Band spielt er ab 21.15 Uhr im Café Brüser. Dort gibt es dann die große Session mit den Harpspielern aller Band, die am Festival teilnehmen. Kurz nach Mitternacht soll die musikalische Sternstunde beginnen.
Mit dem Video im Internet gehen die Organisatoren in diesem Jahr einen neuen Weg. Die Bands werden unter http://youtu.be/dlAHfhBQHeI vorgestellt. Das Angebot findet große Resonanz, wie die Zahl der Aufrufe zeigt